Burgund - der Jahrgang 2010
Vor der ausführlichen Vorstellung der Weine dieses Jahrgangs, möchten wir Ihnen schon jetzt einen kleinen Ausblick geben auf die Besonderheiten von 2010.
Burgund scheint wie kaum jemals zuvor das Interesse vieler Weinliebhaber und die Begierde von Sammlern, aber auch der Weinpresse, anzustacheln in einer Weise, wovon andere Weinregionen nur träumen können. Gerade um den Jahrgang 2010 entstand ein unglaublicher Hype, was die Gefahr mit sich bringt, dass die Nachfrage und damit die Preise für einige besonders rare „Blue chips“ in unangenehme Höhen getrieben werden. Dazu kommt, dass durch den Witterungsverlauf bei reichlich Verrieselung während der Blüte die Mengenausbeute drastisch gesunken ist, andrerseits war die physiologische Reife trotz der auf die Blüte folgenden kühlen Monate überraschend gut, manchmal perfekt für große Qualitäten, wenn auch nicht in allen Bereichen (z. B. teilweise in kleineren Lagen).
Der Charakter der Weine lässt sich bei den Rotweinen vielleicht als eine virtuelle Cuvée aus 2002 und 2008 beschreiben, wobei die Weine stoffiger als 2008 waren, mit seidigeren Texturen und größerer Komplexität. Ähnlich wie in 2008 zeigen die Weine ihr Terroir geradezu exemplarisch. Die Weißweine zeigen ähnliche Qualitäten und Merkmale, wenngleich die Nachfrage wie oft in solch außerordentlichen Jahren durch die Rotweine getragen wird.
Der Individualismus und die einmalige Reputation der burgundischen Weine ruft Sammler und Weinliebhaber auf den Plan und mehr und mehr Menschen finden Gefallen an der großartigen Stilistik und Aromatik dieser Weine, denen eine hochemotionelle Komponente zu eigen ist, die die Seele ansprechen und weniger die Vernunft. Wer Zugang zu Burgundern gefunden hat, wird seine teils raren Flaschen lieben und behüten, oder, wie es ein englischer Journalist umschrieb: Bordeaux ist für die Angeber, Burgund teilt man mit Freunden.
